Universität Osnabrück

Institut für Erziehungswissenschaft


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Ästhesiologische Komponenten von Bildungsmilieus. Eine Untersuchung von Wissensordnungen des Alltags um 1800, um 1900 und in der Gegenwart.

Kurzcharakteristik:

Gegenstand einer Ästhesiologie der Bildung - wir verwenden diesen Ausdruck im Sinne Plessners, der ihn in die Philosophische Anthropologie eingeführt und von "Ästhetik" unterschieden hat - ist die Beteiligung der Sinne und der Leibempfindungen an der kulturellen Formung der Person. Einer solchen Problemperspektive folgend geht das beantragte Projekt den Beziehungen und Wechselwirkungen zwischen Sinnes- und Verstandestätigkeit des sich bildenden Subjekts nach. In einer vergleichenden Analyse autobiographischen Materials werden die (verborgenen) Wissensordnungen rekonstruiert, die in den Milieus des Alltags - jenseits von bildungsphilosophischen Theoriediskursen - die sinnlich-leibliche Dimension des Heranwachsens regulieren. Vor dem Hintergrund des gegenwärtig in der Erziehungswissenschaft zu verzeichnenden Interesses am Leibbezug von Erziehungs- und Bildungsprozessen wird, zunächst im historischen Rückblick, die eigenständige Bedeutsamkeit alltagspraktischer Diskurse (in Differenz zum Fachdiskurs der Pädagogik) für die Strukturierung von Erfahrungs- und Handlungsfeldern im Kindheits- und Jugendalter aufgezeigt. In der zweiten Projektphase steht ein Vergleich mit Autobiographien der Gegenwart im Vordergrund.

Ergebnisse:
Die Untersuchung zeigt für verschiedene Erfahrungskontexte (Natur, Kunst, Institution, Arbeit und Familie) im Epochenvergleich eine zunehmende Reflexivisierung und Ästhetisierung autobiographischer Selbstdarstellungen, wobei für die Gegenwart insbesondere eine konstruktivistisch verengte Sicht auf die eigene Biographie und eine oppositionale Abgrenzung gegenüber den leiblichen und sozialen Verschränkungen mit der Welt charakteristisch ist.

Laufzeit: 

1.4.1999 – 12.05.2005

Projektleitung: 

Prof. Dr. Dr. Peter Alheit (Göttingen), Prof. Dr. Hans-Rüdiger Müller (Osnabrück)

Mitarbeiter: 

Morten Brandt M.A., Rouven Kleinert M.A., Frank Schömer M.A.

Drittmittelgeber: 

DFG

Publikationen:

  • Müller, Hans-Rüdiger: Biographie. In: Christoph Wulf/ Jörg Zirfas (Hrsg.), Handbuch Pädagogische Anthropologie. Wiesbaden: Springer VS, 2014, S. 537-547
  • Allheit, Peter; Brandt, Morton: Autobiographie und ästhetische Erfahrung. Entdeckung und Wandel des Selbst in der Moderne. Frankfurt am Main: 2006.
  • Müller, Hans-Rüdiger (Hrsg.): Die Kunst der Benennung. Autobiographische Bildungsforschung am Beispiel Hanns-Josef Ortheils Essay »Das Element des Elephanten«. Osnabrück/Göttingen: v&r unipress 2005.
  • Schreiben als biographische Praktik. Sprache, Subjekt und Historizität in Hanns-Josef Ortheils poetologisch-autobiographischem Essay »Das Element des Elephanten« in: Koller, H.-C., Rieger-Ladich, M. (Hrsg.), Grenzgänge. Pädagogische Lektüren zeitgenössischer Romane. Bielefeld: transcript 2005, S. 61-77
  • Wissen vom Ich? Grenzgänge zwischen Autobiographik und Bildungstheorie, in: Dörpinghaus, A., Helmer, K., Meder, N. (Hrsg.), Topik und Argumentation. Würzburg: Königshausen & Neumann 2004, S.75-91
  • Reflektierte Leiblichkeit. Zum Leibbezug bildender Kulturerfahrungen in Autobiographien um 1800, in: Bilstein, J., Bering, K., Thurn, H.P. (Hrsg.), Kultur-Kompetenz. Aspekte der Theorie. Probleme der Praxis. Oberhausen: Athena 2003, S.95-113
  • Müller, Hans-Rüdiger (2001): Bildung der Sinne. Ästhetik, Anthropologie und Bildung im 18. Jahrhundert, in: Bildung und Erziehung, Heft 2/2001, 151-165
  • Alheit, Peter; Brandt, Morten; Müller, Hans-Rüdiger; Schömer, Frank (2001): Konfigurationen der Bildung. Drei Fallstudien zur Leibthematik in Autobiographien um 1800. Göttingen: Pädagogisches Seminar der Universität (Göttinger Beiträge zur erziehungswissenschaftlichen Forschung, Bd. 21)

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