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01. September 2017 : Die Berufliche Bildung stärken: Universität Osnabrück besetzt bundesweit einmalige Stiftungsprofessur mit hochrangigem Wissenschaftler

Berufliche Bildung ist entscheidend für die Stärke, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Anknüpfend an die breite Expertise der Universität Osnabrück auf diesem Gebiet wird nun eine Stiftungsprofessur »Berufs- und Wirtschaftspädagogik« mit dem Schwerpunkt »Strukturfragen der Beruflichen Bildung« eingerichtet. Ab dem 1. September 2017 erforscht der renommierte Berufs- und Wirtschaftspädagoge Prof. Dr. Dietmar Frommberger die künftigen Herausforderungen der Beruflichen Bildung.

Stifter dieser bundesweit einmaligen Professur sind der Deutsche Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK), Dachorganisation der bundesweit 79 Industrie- und Handelskammern, sowie die DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung – Organisation zur Förderung der IHK-Weiterbildung mbH (DIHK-Bildungs-GmbH). »Dass sich die Stifter für unsere Universität entschieden haben, freut mich sehr«, so der Vizepräsident der Universität Osnabrück und bisherige Leiter des Fachgebiets Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Prof. Dr. Thomas Bals, und betont: »Nicht zuletzt ist es ein Nachweis der hohen wissenschaftlichen Strahlkraft des hiesigen Fachgebiets, das in seiner engen Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis bundesweit anerkannt ist, was auch die außerordentlich erfolgreiche Drittmitteleinwerbung belegt.«

Zum Hintergrund: Die demografische Entwicklung sowie der Trend zum Studium führen dazu, dass sich immer mehr Schulabgänger gegen eine duale Ausbildung und die spätere Aufstiegsfortbildung entscheiden. Darüber hinaus ist die Berufliche Bildung von raschen Veränderungen der Arbeitswelt und dabei besonders durch die Digitalisierung geprägt. »Diese Entwicklungen betreffen unmittelbar die IHK-Mitgliedsunternehmen, die auf beruflich qualifizierte Fachkräfte angewiesen sind«, erklärt Dr. Achim Dercks, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK e.V. Angesichts dieser Herausforderungen sei es erforderlich, die Strukturen beruflicher Bildung und deren Perspektiven verstärkt wissenschaftlich zu untersuchen – eine Notwendigkeit, der die neue Stiftungsprofessur Rechnung trägt.

Frommberger, geboren 1969 in Verden an der Aller, studierte von 1990 bis 1994 Wirtschaftswissenschaften, Berufs- und Wirtschaftspädagogik und Germanistik (Abschluss: Diplom-Handelslehrer) an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. In seiner 1998 dort eingereichten Promotion befasste er sich mit der Frage der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung in einem deutsch-niederländischen Vergleich, in seiner 2003 an der Universität Jena abgeschlossenen Habilitation mit der kaufmännischen Berufsbildung in einem europäischen Ländervergleich. Nach Vertretungen von Professuren an den Universitäten Köln und Duisburg-Essen wechselte er 2006 auf die Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik an der Universität Magdeburg. Nach abgelehnten Rufen auf die berufs- und wirtschaftspädagogischen Professuren der Technischen Universitäten Dortmund und Dresden in den Jahren 2015 und 2016 entschied er sich im Sommer 2017 für das attraktive Angebot der Universität Osnabrück zur Besetzung der Stiftungsprofessur.

Diese Stiftungsprofessur, einschließlich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen vom Stifter finanziert für fünf Jahre, ist mit einer ordentlichen und unbefristeten Professur der Universität verknüpft und daher – neben der Forschung - fest in die tägliche Arbeit im Fachgebiet und die Ausbildung der Studierenden eingebunden. Frommberger hat Lehrerfahrungen in der ganzen Breite des Fachgebietes.

In der Forschung liegen die Schwerpunkte vor allem in der international-vergleichenden Berufsbildungsforschung. Hierzu gehört auch die Frage des Transfers dualer Berufsbildungsstrukturen in andere Länder und Kulturen. Der Blick in das Ausland verdeutlicht die Vorteile der beruflichen Bildung in Deutschland und macht klar, wie wichtig eine Stärkung des beruflichen Bildungsbereiches ist. Der Vergleich zeigt aber auch, wo Ansatzpunkte der inhaltlichen und strukturellen Weiterentwicklung liegen können. Die Professur fügt sich in ihrer thematischen Ausrichtung nahtlos ein in die bestehenden weitreichenden Lehr- und Forschungsaktivitäten der Universität Osnabrück auf diesem Gebiet. So bildet das Fachgebiet Berufs- und Wirtschaftspädagogik einen integrativen Bestandteil des Studiums für das Lehramt an berufsbildenden Schulen.

In der Forschung liegen die Schwerpunkte in den Bereichen Institutionen- und Professionsforschung, Durchlässigkeit und Übergänge im Bildungswesen, Qualifikation des pädagogischen Personals in Schule und Betrieb, Qualitätsentwicklung der Berufsbildung sowie Vergleichende Berufsbildungsforschung. Daraus abgeleitet ergeben sich für Unternehmen und IHKs relevante Fragestellungen wie zum Beispiel nach Anpassungsbedarfen für Ausbildungsberufe und Aufstiegsfortbildungen.

Die regionale Dringlichkeit, sich damit zu befassen, betont der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, Marco Graf: »Die Unternehmen der Region berichten zunehmend über Schwierigkeiten, beruflich qualifizierte Fachkräfte zu finden. Deshalb ist es so wichtig, das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung zu stärken. Mit Prof. Frommberger haben wir einen international ausgewiesenen Wissenschaftler gewinnen können, der seit Jahren auf diesem Gebiet arbeitet und dabei insbesondere auf einen engen Praxisbezug Wert legt.«